01.11.15

MIKROFONIERUNG VON KONZERTFLÜGELN

Hinweise zur Mikrofonierung von Konzertflügeln mit Mikrofonen von DPA Microphones.
Stichwörter: Konzertflügel, Mikrofonierung
Was lernen Sie? Sie erhalten Informationen zur Mikrofonierung von Konzertflügeln.

 

Was ist bei der Mikrofonierung von Konzertflügeln zu beachten?

Konzertflügel zählen zu den größten und vielseitigsten akustischen Instrumenten der Welt. Die natürliche Klangfarbe und die volle Dynamik eines Instruments mit solchen Proportionen zu erfassen, erfordert sowohl viel Wissen und Erfahrung als auch hochwertiges Aufnahme-Equipment. Darüber hinaus hängt der Klang eines Konzertflügels von dem Raum ab, in dem er sich befindet.

Da jeder Raum anders ist, müssen bei jeder Aufnahme die jeweilige Situation und die Standortbedingungen berücksichtigt werden. Selbst die Spielweise des Pianisten beeinflusst die Wahl der Mikrofontechnik. Der Konzertflügel ist der König der Instrumente. Um die beste Qualität bei der Übertragung oder Aufnahme seines Klangs zu sichern, ist eine sorgfältige Auswahl der Mikrofone von größter Bedeutung.

 

Raumakustik

Die Raumakustik ist ein entscheidender Faktor bei der Aufnahme eines Konzertflügels. Zunächst ist zu beurteilen, ob der Raum eine zu dem Instrument passende Akustik aufweist.

Konzertflügel sind für Konzertsäle mit einem Volumen von mindestens 10.000 Kubikmeter gemacht, in denen die Nachhallzeit bei 500 Hz zwischen 0,9 und 1,3 Sekunden liegt. Konzertsäle, die eigens für Aufführungen von Werken des berühmten Komponisten Richard Wagner konzipiert sind, weisen sogar Nachhallzeiten um zwei Sekunden auf.

Bei geöffnetem Deckel gibt der Konzertflügel sein volles Klangspektrum ab, das bei guten akustischen Bedingungen im gesamten Saal hörbar ist. Bei Aufnahmen in einem Studio muss berücksichtigt werden, dass dies hier nicht möglich ist. Einen guten Standort mit einem optimal gestimmten Flügel zu finden, ist die erste und häufig auch schwierigste Aufgabe.

 

Die Musik

Die Wahl der Aufnahmemethode hängt auch von der Art der Musik ab, die gespielt wird. Klassische Klaviermusik braucht eine natürliche und ausgewogene Umgebungsakustik. Die Musik jedes Komponisten hat jedoch ihre individuelle Charakteristik, die durch diese Umgebungsakustik unterschiedlich stark beeinflusst wird. Viele Musikproduzenten und Toningenieure interpretieren die Werke der großen Meister auf ihre eigene Art und sorgen mit einem Mikrofonpaar dafür, dass herausragende Kompositionen dauerhaft für jedermann zugänglich und damit „unsterblich“ werden.

Rhythmisch orientierte Musik und Jazz werden im Regelfall nicht im Konzertsaal gespielt. Daher hat der Hörer andere Erwartungen an die Klangfarben und die Umgebungsakustik. Viele Werke werden vom Komponisten gezielt im Hinblick auf das Abspielen auf Hi-Fi-Anlagen im Privatbereich geschrieben und konzipiert. Die Akustik des Raums, in dem die Aufnahme des Jazz-Pianos erfolgt, wird in solchen Fällen nach anderen und möglicherweise weniger strengen Kriterien beurteilt. Damit ein Konzertflügel seinen einzigartigen Klang entfalten kann, muss dennoch ein gewisses Raumgefühl transportiert werden. Nur so kann der Hörer ein überzeugendes und besonderes Klangerlebnis genießen.

 

Klassische Klaviermusik und AB-Stereophonie

Bei der Aufnahme klassischer Klaviermusik erzielt man die besten Ergebnisse mit einem Mikrofonpaar mit Kugelcharakteristik (z. B. d:dicate™ ST4006A oder d:dicate™ ST2006A) und einem AB-Stereo-Setup vor dem Konzertflügel.

Das AB-Stereo-Mikrofonpaar wird seitlich vom Flügel platziert, um dem Hörer das Gefühl zu geben, Teil eines Live-Publikums zu sein. Durch die Anpassung des Abstands zum Flügel und die exakte Platzierung neben dem Instrument kann das Klangbild beeinflusst und gestaltet werden.

Häufig bevorzugt man eine Mikrofonplatzierung zentral vor dem Instrument und in einem Abstand von zwei Metern zueinander. Der Normalabstand zwischen den Mikrofonen beträgt 40 bis 60 cm. Das Stereobild kann so gestaltet werden, dass der Pianist sich links befindet und im Klangeindruck die tiefen Tasten links und die hohen Tasten rechts erscheinen. Der Stereo-Mikrofonträger ist relativ niedrig platziert (1,2 m bis 1,5 m über dem Bereich, in dem sich der Flügel befindet). Durch Ausrichten der Mikrofone auf den geöffneten Deckel wird der von der Innenseite des Deckels reflektierte Klang aufgehellt. Gleichzeitig erhält die gesamte Aufnahme eine schöne Tiefe.

 

Rhythmische Klaviermusik und direktionale Mikrofone

Bei rhythmusbetonter Musik und Jazz werden alle Instrumente in mehr oder weniger hohem Maß zur Erzeugung eines Beats oder perkussiven Effekts eingesetzt. Dies gilt auch für den Flügel. Deshalb ist es umso wichtiger, den Anschlag des Pianisten einzufangen. Den angenehmen Klang der Mechanik und der Hände auf den Tasten zu erfassen, ist oft wichtiger als eine präzise Stereoperspektive. (Die Wiedergabe dieser „Klangproduktionsgeräusche“ wird eher bei den Instrumenten angestrebt, die für die Harmonien zuständig sind. Tempo und Rhythmus dieser Instrumente lassen keinen Raum für Hall. Dies kann dazu führen, dass die Musik schwammig und unklar klingt, wenn dasselbe Aufnahmekonzept wie bei Rhythmusinstrumenten verfolgt wird.)

Bei perkussiven Instrumenten besteht das Ziel darin, eine dynamische und schnörkellose Aufnahme zu machen, die das Instrument optimal klingen lässt. Hierzu müssen die Mikrofone näher am Piano platziert werden, manchmal sogar innen unter dem geöffneten Deckel über den Saiten und Hämmern. Nur hier kann man den Anschlag und die Rauheit des vielseitigen Königs der Instrumente einfangen. Um Reflexionen im Raum und Hall zu trennen, sind direktionale Mikrofone zu empfehlen.

Zwei sehr gute Stereo-Setups mit direktionalen Mikrofonen innen im Flügel sind:

1. ORTF-Stereo-Setup mit Mikrofonplatzierung am Mittelrahmen etwa 30 cm über den Saiten. Die Mikrofone sind dabei um 45° nach unten in Richtung Pianist ausgerichtet.

2. Zwei parallel angeordnete Mikrofone mit Nierencharakteristik und maximal 60 cm Abstand zueinander, die über den mittleren Hämmern angeordnet um 45° nach unten in Richtung Pianist ausgerichtet sind.

Beide Lösungen können entweder mit einem d:dicate™ ST2011C Mikrofonpaar (Nierencharakteristik) mit RSM Zubehörpaket oder mit einem d:dicate™ ST4011C Mikrofonpaar (Nierencharakteristik) mit RSM-Zubehörpaket realisiert werden.

Hinweis: Der Schalldruckpegel (SPL) in Inneren eines Konzertflügels kann im Bereich von 20 cm über den Saiten die Marke von 130 dB übersteigen. Dementsprechend ist die Auswahl des richtigen Mikrofontyps unbedingt erforderlich.

 

Live-Einsatz mit PA

In akustischen Umgebungen, in denen der Flügel nicht die lauteste Schallquelle ist (etwa bei Big Bands), wenn andere Instrumente in der Nähe sind oder wenn Monitorsysteme die Bühne mit großer Lautstärke beschallen, besteht die ideale Lösung in höherer Isolation durch engere Mikrofonanordnung und geringere Abstände. Auch das Schließen des Deckels oder die Verwendung eines kurzen Deckelstabs trägt zur effektiven Separation bei. Ein Anklippmikrofon ermöglicht flexible Positionierung ohne Probleme mit der Unterbringung eines Ständers. Das d:vote™ 4099P Stereomikrofonsystem ist die ideale Lösung für diesen Zweck.

 

Mikrofonierung von Pianos mit Miniaturmikrofonen

Mit dem d:screet™ 4061 Stereo-Mikrofonset sind verschiedene gute Setups für Piano möglich. Das kostengünstige Set eignet sich für Studios und die verdeckte Mikrofonpositionierung auf der Bühne. Es besteht aus zwei hochwertigen d:screet™ 4061 Miniaturmikrofonen mit Kugelcharakteristik sowie Zubehör für die Anbringung im und am Piano bei offenem oder geschlossenem Deckel.

 

Mikrofonierung eines Konzertflügels mit DPA-Mikrofonen

Platzieren Sie die 4061 Miniaturmikrofone mit Schaum-Windschutz und mithilfe des DMM0011 Magnet-Mikrofonhalters in und an den Schalllöchern des Flügels. Sie können zwei oder drei 4061er verwenden und einen ausgewogenen mehrdimensionalen Klang mit guter Front-of-House- und Monitor-Lautstärke sowie guter Aufnehmbarkeit erzeugen. Positionieren Sie ein Mikrofon im Hochton-Schallloch oder in dessen Nähe und ein weiteres über der letzten Oktave bei den tiefen Seiten (eventuell über der zweitletzten Oktave). So erhalten Sie aufgrund der geringen Distanz zum Rahmen hohe Verstärkung vor Rückkopplung. Darüber hinaus bekommen Sie satte Mitten, was insbesondere bei rhythmusbetonter Musik erwünscht ist.

Grenzflächen-Halterungen (BLM6000) sind ebenfalls Bestandteil des d:screet™ 4061 Stereo-Mikrofonsets. Bringen Sie zwei BLM6000-Halterungen an der Innenseite des geöffneten Deckels an, um einen natürlichen Aufnahmeklang zu erhalten. Die Druckzonentechnik intensiviert und akkumuliert die Klangfarbe des Flügels, die Halterung ist optisch sehr diskret. Die Positionierung der Halterungen direkt auf dem Resonanzboden unter den Saiten ergibt einen scharfen durchdringenden „Honky-Tonk“-Popsound für Live-Performances.

Mit der universellen Oberflächen-Halterung DMM0007 können Sie die Mikrofone direkt an der Innenseite des Flügeldeckels anbringen. Die Mikrofone sind dabei fast unsichtbar. Das Mikrofonelement hängt an seinem integrierten Kabel. Die Haftflächen mit doppelseitigem Tape und der Höhen-/Akustik-Ausgleich können nach Bedarf ausgerichtet werden. Eine ausgewogene Position für offenen Klang ist 30 bis 40 cm über dem Flügel, vor den Hämmern und mit einem Abstand von etwa 60 cm zwischen den Mikrofonen.

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